Das Tierheim in Sighișoara

Wo unsere Hunde herkommen
In der mittelalterlichen Stadt Sighișoara in den rumänischen Karpaten betreibt unsere Partnerorganisation ADA – Asociația pentru Drepturile Animalelor ein Tierheim, das je nach Belegung zwischen 150 und 200 Hunden ein vorübergehendes Zuhause bietet. Von hier kommen die Hunde, die wir in Deutschland in Familien vermitteln.
Wir möchten transparent machen, wem du hilfst, wenn du uns unterstützt. Deshalb stellen wir dir das Tierheim hier so vor, wie es ist – ohne Beschönigung, aber auch ohne Dramatisierung.
Monica Fernengel – die Frau hinter dem Tierheim
Monica „Mona" Fernengel hat ADA im Jahr 2001 gegründet. Seitdem widmet sie ihr Leben den Tieren in Sighișoara – über zwei Jahrzehnte konsequenter Arbeit unter Bedingungen, die sich aus deutscher Perspektive kaum vorstellen lassen.
Tierschutz hat in Rumänien einen schweren Stand. Ein Job im Tierheim genießt wenig gesellschaftliche Anerkennung, und die Auseinandersetzungen mit Behörden, Nachbarn oder Hundefängern gehören zum Alltag. Mona hält das aus, weil sie es muss – nicht weil es leicht wäre. Wer ihr begegnet, spürt, dass sie diese Jahre geprägt haben. Hinter ihrer ruhigen, manchmal kühl wirkenden Art steht ein tiefes Gefühl für jedes einzelne Tier, das ihr anvertraut ist.
Wie das Tierheim heute aussieht
Das Tierheim entspricht nicht deutschen Standards. Es kann das auch nicht, weil dafür schlicht die finanziellen Mittel fehlen.
Ein Teil des Geländes wurde in den letzten Jahren renoviert, der andere Teil noch nicht. Die Hunde leben in Zwingern mit Innen- und Außenbereich. Die Bedingungen sind einfach, der Betrieb ist laut, und der Geruch eines Ortes, an dem über 150 Hunde leben, lässt sich auch mit täglicher Reinigung nicht vermeiden. Aber die Tiere sind versorgt, geschützt und in den Händen von Menschen, die sich kümmern.
Mona arbeitet mit zwei festen Mitarbeitern, am Wochenende kommt gelegentlich ein dritter dazu. Diese drei Menschen versorgen täglich bis zu 200 Hunde – füttern, säubern, pflegen Kranke, nehmen Neuankömmlinge auf. Wenn etwas Unvorhergesehenes dazwischenkommt, geraten sie an ihre Grenzen. Mehr Personal wäre dringend nötig, scheitert aber an den Mitteln.
Im Sommer 2024 erlitt das Tierheim einen schweren Rückschlag: Ein angemietetes Nebengelände mit großer Auslauffläche wurde überraschend abgerissen. Die Abrissarbeiter öffneten dafür kurzerhand die Zwinger und ließen die Hunde frei laufen, um mit den Arbeiten beginnen zu können. Als Mona morgens ins Tierheim kam, irrten die Tiere auf dem Gelände umher, einige waren verschwunden. Seitdem fehlt der Platz, den die Hunde dringend bräuchten.
Warum das Problem in Rumänien überhaupt existiert
Vielen Menschen in Deutschland ist nicht bewusst, wie das System der Straßenhunde in Rumänien funktioniert – und warum es so schwer ist, daran etwas zu ändern.
In Rumänien leben nach Schätzungen rund 600.000 heimatlose Hunde – europaweit die höchste Zahl. Das Problem ist über Jahrzehnte gewachsen und hat seine Wurzeln noch in der Zeit des Kommunismus, als Menschen beim Umzug in Plattenbauten gezwungen waren, ihre Hunde zurückzulassen.
Im Jahr 2013 wurde – nach einem medial aufgebauschten Beißvorfall – das sogenannte „Tötungsgesetz" Ionuț 258/2013 verabschiedet. Seitdem dürfen eingefangene Straßenhunde nach einer Frist von 14 Tagen getötet werden, wenn sie bis dahin niemand adoptiert. Aus den meisten städtischen Tierheimen wurden damit faktisch Tötungsstationen, sogenannte „Kill Shelter".
Besonders problematisch ist die finanzielle Struktur dahinter: Der rumänische Staat fördert diese Einrichtungen mit erheblichen Geldsummen pro Tier – sowohl für das Einfangen und die Unterbringung als auch für die Tötung. So ist über die Jahre eine ganze Industrie entstanden, in der mit dem Leid der Hunde Geld verdient wird. Hundefänger erhalten Prämien pro eingefangenem Tier. Das Interesse an einer langfristigen Lösung – nämlich an flächendeckenden Kastrationsprogrammen – fehlt deshalb genau dort, wo solche Programme organisiert werden müssten.
Die Folge ist ein sich selbst erhaltender Kreislauf: Solange Hunde nicht kastriert werden, vermehren sie sich weiter. Solange sie sich vermehren, gibt es weiter Straßenhunde. Solange es Straßenhunde gibt, fließt Geld in die Catch-and-Kill-Industrie.
Deshalb ist Kastration der Schlüssel. Vermittlung allein – so wichtig sie für jeden einzelnen Hund ist – kann das Problem nicht lösen. Mona setzt deshalb seit Jahren auf Kastrationskampagnen vor Ort, bei denen Hunde und Katzen aus einkommensschwachen Haushalten kostenlos sterilisiert werden. Genau hier beginnt nachhaltiger Tierschutz.
Wer sich tiefer mit der Situation in Rumänien befassen möchte, findet umfassende Hintergrundinformationen beim Deutschen Tierschutzbund und bei VETO – Wir bewegen Tierschutz.
Was Schattentiere e.V. tut
Wir sind die Brücke zwischen Monas Tierheim und Familien in Deutschland. Konkret heißt das:
- Wir vermitteln Hunde aus dem Tierheim in passende Familien und organisieren den Transport.
- Wir unterstützen finanziell, damit Futter, tierärztliche Versorgung und der laufende Betrieb des Tierheims gesichert sind.
- Wir klären auf über die Situation in Rumänien – damit mehr Menschen verstehen, warum Hilfe vor Ort dringend gebraucht wird.
Ohne Unterstützung aus dem Ausland wäre Monas Arbeit kaum möglich. Und ohne Mona hätten weit über hundert Hunde kein sicheres Dach über dem Kopf.
Du möchtest helfen?
Auf unserer Seite „So kannst du helfen" findest du alle Möglichkeiten – von der Adoption über Patenschaften und Spenden bis zur Mitarbeit als Pflegestelle.
